genormt, geformt, bewohnt.
Doppelausstellung zum Wohnen im Plattenbau
Ein Teil der Präsentation zeigt das Fotoprojekt PLATTENBAU PRIVAT von Susanne Hopf und Natalja Meier. Die beiden Szenografinnen fotografierten 2002 sechzig Wohnzimmer im mittlerweile legendären Wohnungsbauprojekt P2. Als “Gegenentwürfe” können die im zweiten Ausstellungsteil aufgebauten Montagemöbel aus der Kombinatszeit der Deutschen Werkstätten verstanden werden. Das Spannungsfeld zwischen individuellem Einrichtungstraum und streng durchgeplantem Modulsystem lässt viel Raum für das Nachdenken über Ideal und Wirklichkeit des Wohnens.
Seit den ausgehenden 1960er Jahren der DDR waren es nicht nur die neuen Hochhausbauten, die den Wohnbedarf decken und neue ästhetische Maßstäbe setzen sollten. Dem Außen musste auch das Innen entsprechen. Gebraucht wurden neue, variable Möbel für jeden Bedarf, gestalterisch ansprechend, von hoher materieller Qualität und erschwinglich – Grundparameter, die bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts die Produktion der Deutschen Werkstätten bestimmten. Neben dem Montagemöbel Deutsche Werkstätten (MDW) des Designers Rudolf Horn setzten auch Siegfried Hausdorf mit seinem Modell 150 und weitere Entwerfer in den 1960er Jahren neue Maßstäbe.
Die Idee eines modular aufgebauten Systems für diese Entwerfer idealtypischer Anspruch. Die Hellerauer Systemmöbel waren formal reduziert und modern. Als die jungen Szenografinnen Susanne Hopf und Natalja Meier 2004 ihr Fotoprojekt PLATTENBAU PRIVAT veröffentlichten, wurde deutlich, wie vielfältig die Räume in den Plattenbauten durch die Nutzer und Nutzerinnen gestaltet worden waren, zumeist weit entfernt von Vorstellungen Horns und Hausdorfs. Die Fotografien sind ein außerordentliches Zeitdokument, das die individuellen Wohnträume der Zeit um das Jahr 2000 sichtbar werden lässt.
Alle Hintergründe zum Thema Plattenbau werden in der aktuellen Ausstellung Platte Ost/West im Stadtmuseum Dresden behandelt.
Wir danken dem Kunstgewerbemuseum Dresden (Staatliche Kunstsammlungen Dresden) für die inhaltliche Unterstützung sowie die Bereitstellung und den Aufbau der Ausstellungsobjekte rund um das Montagemöbel Deutsche Werkstätten (Rudolf Horn) und das Modell 150 (Siegfried Hausdorf).