27. Juli 2009 – 27. November 2009 · 15:10 Uhr

Anthony Canham: Golden City Construction Co./ Guy Toso: Trames

Vor ungefähr zwanzig Jahren entdeckte Anthony Canham in New Yorker Zeitungsanzeigen chinesische Firmennamen wie "Double 'A' Hardware Inc." oder "Golden City Construction Co.". Diese lösten bei ihm mit ihrem eigenartigen Großstadtklang eine Kettenreaktion aus, die in einer Serie von kleinformatigen Collagen und Siebdrucken ihre visuelle Form fand. In irregulär gewachsenen Bildern sind Themenfragmente wie z.B. Orient oder Okzident, Chinoiserie, nicht-illusionistische Raumdarstellung oder Kodierung und Entzifferung in oft über Tage oder Wochen mehrfach geschichteten und nur schwer zu durchdringenden Strukturen konserviert. Während Anthony Canham noch Bezüge zur Außenwelt und realen Dingen hat und Empfindungen aufnimmt bzw. Gesehenes verwandelt, ist Guy Toso strenger, weniger narrativ. Die Objekte von Toso sind komplett abstrakt, erhalten ihre starke Präsenz und Lebendigkeit durch die ausgeprägte Farbigkeit. Beide Künstler waren bereits vor einigen Jahren in Gruppenausstellungen bei den Werkstätten zu sehen. Diesmal stellen sie ihre neuesten Arbeiten aus, die jeweils mit einem Thema unterlegt sind. "Ich denke, dass wir eine spannende Ausstellung nach Dresden geholt haben. So gibt es in Sachsen kaum Vertreter der von Guy Toso vertretenen geometrischen Abstraktion", erklärt Colin Ardley, Kurator der Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten Hellerau. Ungewöhnlich auch die Größe einiger Objekte der neuen Ausstellung der Werkstättengalerie. Während für manche Expositionen 3,5-Tonner aufgefahren werden müssen, reist der in Hildesheim lebende Canham nicht selten nur mit einem Karton unter dem Arm an. Das mindert jedoch die Spannung seiner grafisch ausgesprochen lebendigen Arbeiten mit Maßen von 20x30 cm und weniger keineswegs. Guy Toso präsentiert großformatigere Arbeiten, die konsequent und ausgesprochen fein ausgelotet sind. Sein Konzept besteht immer aus Vertikalen und Horizontalen, wobei die Spannung durch Farbklang und Farbintensität entsteht. Übereinander liegende Stäbe - daher auch die Bezeichnung "Trames", franz. für " Gewebe oder Raster " - erzeugen eine intensive räumliche Wirkung, die man hautnah sehen muss. Möglich ist dies ab dem 20. August in der Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten Hellerau. Die unternehmenseigene Galerie präsentiert jährlich vier bis fünf wechselnde Expositionen zeitgenössischer Kunst. So ungewöhnlich wie die Künstler, so speziell auch der Ort der Ausstellung. Der mittlere Bereich des offenen, großen Büros ist speziell der Kunst vorbehalten. Besucher der Galerie finden sich nach Betreten des Unternehmensneubaus im Moritzburger Weg 68 sogleich mitten im Büroteil wieder. "Ich denke, dass gerade diese Nähe zu dem Unternehmen so spannend für unsere Galeriebesucher ist. Bei uns ist Kunst nicht in Gänge oder Foyers verbannt, sondern tritt in einen Dialog mit der Arbeit und den Mitarbeitern im Unternehmen", erläutert der Kurator. Ausstellungsdaten Werkstättengalerie der Deutschen Werkstätten Hellerau: Titel: Guy Toso „Trames“ und Anthony Canham “Golden City Construction Co.” Dauer: 20. August bis 13. November Ort: Unternehmensgebäude der Deutschen Werkstätten Hellerau (Neubau), Moritzburger Weg 68, 01099 Dresden, Telefon 0351 21 590-202, www.dwh.de Zeiten: Montag bis Freitag, 9:00 bis 16:00 Uhr (nicht an Feiertagen). Kostenfrei zugänglich.

Fotos: PR