Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes, Wiesbaden

Deckenverkleidungen für Innen- und Außenbereiche, Schrankwände für Konferenz- und Kasinobereiche

Fertigstellung 2002

Fotos

Seit in in den Deutschen Werkstätten Hellerau zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Tischlerplatte entwickelt und furniert wurde, hat das Unternehmen viele Jahre Erfahrungen mit Furnieren gesammelt. In dieser Zeit haben Entwerfer wir Bruno Paul, Karl Bertsch und andere die Grenzen ihrer diesbezüglichen Gestaltungsmöglichkeiten ausgelotet und verschoben. An das Furnierlager und an die mit dem Furnier befassten Spezialisten werden auch heute wieder höchste Ansprüche gestellt. Auch heute nämlich werden Aufträge übernommen, die ungewöhnliche Leistungen in dieser Hinsicht erfordern. So auch in Wiesbaden. Dort führte die Forderung nach einer homogenen Gesamtwirkung der Deckenverkleidung zur Entwicklung des sogenannten „Strichcodes“. Es waren zwei Begriffe, um die sich die Entwurfsarbeiten des Architekturbüros Thomas Herzog + Partner für die Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes in Wiesbaden von Beginn an drehten: Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit. Geringer Energieverbrauch, höchstmögliche Raumnutzung bei straffer architektonischer Durchführung, dazu Liebe zum Detail – all das führte bei diesem Projekt zu besonderen Lösungen. So wurde zum Beispiel die Forderung realisiert, die gesamte Gebäudetechnik in die Fassade zu integrieren. Die Parameter „visuelle Einheitlichkeit“ und „gestalterische Schlüssigkeit“ definierten letztlich die Aufgaben der Deutschen Werkstätten Hellerau in diesem Projekt. Das Unternehmen musste eine Deckenverkleidung schaffen, die im Innen- wie im Außenraum einheitlich wirkt, die dabei aber völlig unterschiedlichen Beanspruchungen standhält. Sowohl für den Flur als auch für die Außenbereiche des Erdgeschosses war eine Platte auszuwählen, die einen gleichmäßigen Verlauf und Übergang zwischen beiden Bereichen gestattete. Die Übergangszonen zwischen Innen und Außen waren häufig durch Glaswände markiert, die Übergänge sind aus jeder Perspektive zu erkennen. Die Deckenverkleidungen verlaufen folglich ohne jeden Bruch. Die Größe der zu verkleidenden Flächen hatte weitreichende Konsequenzen. Sie waren kaum homogen mit herkömmlichen Furnierbildern zu verkleiden. Auch wenn Schrankwände und mobile Trennwände gefertigt wurden waren es die Deckenverkleidungen, die die größten Anforderungen an die Projektgruppen stellten, an Konstruktion, Fertigung und Montage. Und so gingen die Spezialisten vor: Zunächst wurde das Plattenmaterial für die Innen- und Außenräume unterschieden- für außen Furnierplatten, für innen mitteldichte Faserplatten. Der Entwurf des Architektenbüros nahm von Beginn an Rücksicht auf die handelsüblichen Plattenmaße, so dass kaum Abfall entstand. Die unterschiedlichen Träger wurden in gleicher Weise furniert, so dass die Gesamtwirkung von Außen- und Innenräumen in der Tat einheitlich ist. Dies zu erreichen, war nur über eine besondere Art der Furnierabwicklung möglich, die einen besonderen Namen erhielt: Strichcode. Dieses Furnierbild stützt sich auf einen planvollen, unmerklichen Wechsel der Holzstruktur von Platte zu Platte. Die Verwendung von Furnier eines einzelnen Stammes war in Wiesbaden angesichts der Flächengröße nicht möglich. Der Wechsel, der sich aus der Verwendung verschiedener Hölzer ergab, wurde so organisiert, dass er in der Gesamtansicht nicht auffiel. Zunächst erhielt jede 3 x 1,25 Meter große Platte ein Längsfurnier aus zwölf unterschiedlich breiten, direkt aneinander grenzenden Furnierblättern. Jedes einzelne Blatt weist eine andere Struktur auf. Diese Blätter werden auf der nächsten Platte in gleicher Linie und Struktur fortgeführt. Ein unmerklicher Wechsel erfolgt dort, wo in Längsrichtung die Struktur eines Blattes aufgegeben und eine neue Struktur aufgenommen wird. Der Wechsel erfolgt je Platte nur in einem einzigen Blatt. Übergänge und Änderungen werden als fließend wahrgenommen. Das Gesamtbild ist homogen – Magie der Oberfläche. Erwähnung verdient die logistische Gesamtleistung, zumal jedem einzelnen Blatt ein ganz bestimmter Platz zugeordnet wurde und insgesamt 3700 Quadratmeter Decke zu verkleiden waren.

Text: Rainer Baginski
Foto: Bernadette Grimmenstein