Villa Gerl, Berlin

Innenausbau Bibliothek, Eingangshalle und Schrankzimmer incl. loser Möblierung

Fertigstellung 2000

Fotos

Eine Villa in der Tradition von Hermann Muthesius, Peter Behrens, Bruno Paul und Mies van der Rohe wollte Professor Hans Kollhoff in Berlin-Dahlem für seinen Auftraggeber Dr. Andreas Gerl errichten. Die Ausstrahlung des Hauses und der Innenräume beruht auf einer Handwerklichkeit, die höchsten Anforderungen genügt. Das gilt für den traditionellen dreilagigen Außenputz auf hinterlüfteter Vorsatzschale ebenso wie für die Tätigkeit der Deutschen Werkstätten Hellerau, die nahezu das gesamte Mobiliar eigens für die Villa Gerl angefertigt haben. Hans Kollhoff forderte höchste Qualität – und das bei einem engen Terminplan: Die Auftragsvergabe erfolgte im September, der Innenausbau aber sollte noch vor Weihnachten fertiggestellt sein. Der Auftrag war sehr umfangreich – vom Gartensaal, mit einem Muster aus blaugrauen und weißen Marmorplatten in Verbindung mit einer goldornamentierten taubenblauen Wandbespannung, bis zur Halle. Sie wurde im Erdgeschoss raumhoch in Eiche, schokoladenbraun gebeizt, vertäfelt. Die Wandverkleidung folgt dann der Treppe; im Obergeschoss ist sie brüstungshoch ausgeführt. Auch das Treppengeländer wurde von unseren Mitarbeitern montiert. Für die Bibliothek schufen die Deutschen Werkstätten Hellerau eine fein gegliederte und grazil profilierte, mit geschliffenen Gläsern versehene Regalwand. Dort dominiert Nussbaum; im Speisezimmer wurde das Nussbaum-Furnier der Täfelung mit Mobiliar aus Mahagoni kombiniert. Auch das Frühstückszimmer erhielt eine umlaufende Sockelbekleidung aus Holzvertäfelungen. Darüber liegen raumhohe Holzrahmen aus Europäisch Kirschbaum, gebeizt, mit einer Füllung aus Stoffbespannung. Dahinter verbergen sich fünf ebenfalls raumhohe Einbauschränke. Ein wahres Schmuckstück wurde auch das Damen-Ankleidezimmer, bestehend aus Schränken mit Kleiderstangen oder Einlegeböden, Schubladen, Ablagen und Spiegelflächen. Wie Perlmutt schimmert die Riegelbirke, aus der Türfüllungen und Vertäfelungen sowie alle Fronten zum internen Flur hergestellt wurden. Im Kontrast dazu steht das Makassar-Furnier, mit dem Rahmen, Blenden, Abdeckleisten, Schubladen und Türen innerhalb des Schrankzimmers versehen wurden. Europäische Birke, ein ruhiges Furnier ohne Auffälligkeiten, verwendeten die Deutschen Werkstätten Hellerau für das Innere der raumbildenden Einbaumöbel einschließlich Einlegeböden. Die Bibliothek wurde vollständig und raumhoch mit Bücherschränken ausgestattet. Frei blieben lediglich Fenster und Türen sowie eine Wandnische, die jedoch eine furnierte Rückwand erhielt. Diese Bibliothekseinbauten aus Nussbaum, mit großer Sorgfalt von den Deutschen Werkstätten Hellerau geschaffen, genügen höchsten Ansprüchen. So werden die Bücher von fein gegliederten und grazil profilierten, mit geschliffenen  Gläsern versehenen Flügeltüren vor Staub geschützt. Die Vitrinenschränke erstrecken sich bis zur Oberkante des Fenstersturzes, darüber befindet sich ein umlaufendes Band aus Oberschränken, ebenfalls mit verglasten Türen. Im Sockelbereich wurden Schubladen und holzverkleidete Schränke untergebracht. Im Speisezimmer wurden die Wände mit einer textilen Bespannung auf einer Holzlattung als Unterkonstruktion sowie mit einer dreiseitig umlaufenden brüstungshohen Nussbaum-Vertäfelung versehen.

Text: Anke Müller
Foto: Bernadette Grimmenstein