So schreibt man Yachtgeschichte.

MY "Skat"

Fertigstellung 2003

Fotos

Man nehme einen ambitionierten Eigner, der ein ungewöhnliches Schiff will, einen Naval Architect, der so ein Schiff tatsächlich zu entwerfen weiß, einen Designer, der dem Schiff jenen gestalterischen Atem gibt, den der Eigner wollte. Dann braucht man eine Werft, die das alles bauen kann und ein Team für den Innenausbau, das die Ideen von Eigner, Architekt und Designer perfekt im Inneren der Yacht realisiert. Nur wenn alle diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann ein Schiff wie „Skat“ entstehen, einmalig in der Geschichte der Luxusyachten. „Skat“ ist Dänisch und heißt „Liebling“. Und wie ein Liebling ist dieses Schiff vom ersten Tag an behandelt worden. Seine Linien hat der Naval Architect Espen Øino entworfen, die Innenräume stammen von Marco Zanini, Ex-Partner von Ettore Sottsass. Die Werft war Lürssen, eine der weltbesten Adressen für den Bau von Luxusyachten. Der Innenausbau war zu großen Teilen eine Angelegenheit der Deutschen Werkstätten Hellerau. Farben sind Signale, bisweilen Weltanschauungen. Vielleicht ist das gedeckte Grau, das die bestimmende Farbe des Hauses, des Flugzeugs, jetzt auch der Yacht des Eigners ist, solch ein Stück Weltanschauung. Ein Grau, das sich der Umwelt anpasst, statt sie zu dominieren. Bei „Skat“ entfaltet dieses Grau geradezu thematische Kraft, durch alle Räume, die technischen Sektionen. Gekoppelt ist es mit einem kräftigen Blau und jenem Rot, das in den Sitzmöbel-Klassikern von Arne Jacobsen kulminiert, das einem auch anderenorts als Gestaltungselement begegnet. Marco Zanini hat zur Verwirklichung dieses Konzeptes graues WilsonART Laminat gewählt und hat es mit schmalen Teak-Fassungen kombiniert. Dazu kommt graublauer Granit in den Küchen, Bädern, Pantries, Nassräumen und als Material der Arbeitsflächen. Die Yacht ist frei von jeder Art von Statussymbolen. Keine imperialen Foyers, keine an Fünfsternehotels erinnernden opulenten Möbelstücke oder Ornamente. Manche der Räume wirken kleiner als sie sind, sie machen den Eindruck von stillen Inseln, zum Lesen, zum Erholen. Andererseits ist jedes Objekt im Schiff sehr rational über seine Funktion definiert. Wo alles so klar und begründbar ist, sah das Briefing für „Skat“ auch soviel Licht wie möglich vor, deshalb die Glasgalerie mit ihren Bay-views-Fenstern achtern, die sogar Licht von oben zulässt. Wichtig war nicht nur die technisch-handwerkliche Präzision der Innenausbau-Arbeit, sondern auch ihre präzise Logistik. Die Salons auf dem Hauptdeck etwa wurden in den Werkstätten komplett als „Mock-ups“ 1:1 aufgebaut und abgenommen. Auf diese Weise konnten Eigner und Designer rechtzeitig korrigierend eingreifen, bevor die Montagearbeit im Schiff begann. Der Eigner stellte hohe Anforderungen an die technische Ausrüstung. Deshalb galt es, die Schiffstechnik möglichst organisch zu integrieren, von den Kabeln bis zur Signaltechnik. Die Arbeit der DWH betraf folgende Bereiche: die komplette Crew-Einrichtung; Kabinen, Crew Mess, Küchen, Stauräume im Unterdeck, Main Galley und Laundry. Die Brücke: Kapitänsbereich mit Büro, Pilotenkabine, Funkraum. Die öffentlichen Bereiche: Hauptsalon, Haupt-Speiseraum, Lounge, Bibliothek, Gästebüro, die Korridore, Sauna, Fitnessraum, Beach Club, das Treppenhaus über fünf Etagen. Ausdruck für die gelungene Technik ist eine Wand im Gästebüro aus einer Vielzahl von gehobelten, feinst geschliffenen Lamellen, grau hochglanzlackiert. Darin eingefügt ist eine Revisionstür für den Plotterschrank. Gleichzeitig „atmet“ diese Wand, hier realisierten wir eine individuelle Entlüftung des Raumes in Form eines 2 x 2 Meter großen Rückluftgitters. Die konstruktive Besonderheit dabei: Unsere Mitarbeiter entwickelten eine spezielle Betätigung für die Pushlock-Mechanik, die sich völlig ins Design integriert und für den Außenstehenden so gut wie unsichtbar bleibt.

Text: Rainer Baginski
Foto: Bernadette Grimmenstein, Klaus Jordan, Bill Muncke