Mobiles interaktives Micromuseum für Erich Kästner, Dresden

Konstruktion und Fertigung

Fertigstellung 2000

Fotos

Im Jahr 2000 ist das Erich Kästner Museum in der Villa Augustin am Dresdner Albertplatz eingeweiht worden. Eine Initiative von Dresdner Bürgern und des aus Irland stammenden Architekten Ruairí O’Brien hat dieses „erste mobile interaktive Micromuseum“ der Welt ermöglicht. Seinen Mittelpunkt bildet ein begehbarer Kern, der multimediales Arbeiten erlaubt: CDs, Videos, Internet, eine Erich-Kästner-Datenbank – der Besucher kann sich seinen ganz eigenen Weg zu Kästner suchen. Die Säulen  halten konkrete Zeugnisse aus Kästners Leben und Werk versteckt, die durch ihren pointierten Objektcharakter einer trockenen Musealisierung des Dichters entgegenstehen. Das Museum ist prinzipiell überall aufzustellen, ohne viel Raumbedarf. Kernstück sind die verschiebbaren Säulen. Die darin dokumentierten Themenbereiche grenzen sich farbig voneinander ab. Dazu funktioniert das Farbkonzept der Säulen als Erscheinungsbild, als eine corporate identity, so dass sich die Museumsinstallation unter den unterschiedlichsten räumlichen Bedingungen behaupten kann. Die Aufgabe der Deutschen Werkstätten verlangte hohe handwerkliche Präzision. Die unfurnierten Birke-Multiplex-Platten weisen minimale Maßdifferenzen auf, die aus ihrer Fertigung resultieren. Diese Differenzen mussten durch sorgfältiges Schleifen ausgeglichen werden, um einen perfekten Sitz der einzelnen Bauteile zu gewährleisten. Die Forderung nach Präzision galt also für jedes Maß und jeden Beschlag.
Erich Kästner hat wie nur wenige Autoren für Erwachsene und für Kinder geschrieben. Sein Credo war, dass nur, wer als Erwachsener ein Kind geblieben sei, „als Mensch uns in Erinnerung bleiben kann“. Es ist dem Architekten Ruairí O’Brien auf kongeniale Weise gelungen, diese Doppelpersönlichkeit des Autors im Museumskonzept sichtbar zu machen. Von der Sinngebung her ein „erwachsenes“ Museum, ist es in Ästhetik und Erscheinungsbild doch von überzeugender Frische und Jugendlichkeit, die sich dem Besucher tief einprägt.

Text: Rainer Baginski
Foto: Lothar Sprenger