Metropolitan

Konstruktion, Koordination und Innenausbau

Fertigstellung 1998

Fotos

Mit dem Innenausbau des Zuges „Metropolitan“ wurden die Deutschen Werkstätten Hellerau von der Deutschen Bahn AG und vom Generalunternehmer Fahrzeugtechnik Dessau GmbH beauftragt. Der „Metropolitan“ setzte Maßstäbe bei Komfort, Service und Design im Reiseverkehr. Der Nutzer darf sich auf ein Ambiente freuen, wie er es von „der Bahn“ nie erwartet hätte. Das Design des neuen Zuges entwarf das Architektenbüro gmp von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg. gmp setzt auf hochwertige Werkstoffe: Edelstahl, schwarzes Leder, Schweizer Birnbaum. Dieses Holz, ein sehr anspruchsvolles Material, zeichnet sich durch seinen dezent honiggelben, warmen Farbton aus. Für den Innenausbau des „Metropolitan“ entstehen in den Deutschen Werkstätten Hellerau sehr komplexe Bauteile. Holzwerkstoffe im Waggonbau? Die Experten waren zunächst ausgesprochen skeptisch.  Denn schon aufgrund der Anforderungen an den Brandschutz kann kein massives Holz verarbeitet werden. Unseren Mitarbeitern ist es gelungen, geeignete Trägerwerkstoffe zu finden, die furniert werden.
Strenge Sicherheitsbestimmungen gelten für die Innenausstattung von Eisenbahnwaggons. So müssen alle Baugruppen dem Fünffachen der Erdbeschleunigung standhalten. Formen und Konstruktionen sollen jedes Verletzungsrisiko ausschließen – ein großer Unterschied zu „normalen“ Möbeln, wie die Entwickler der Deutschen Werkstätten Hellerau bald feststellen mussten. Außerdem galt es, die Inneneinrichtung so zu gestalten, dass Schwingungen spürbar gedämpft werden. Viele technische Ansprüche, die in die konstruktive Arbeit einfließen mussten.
Für den „Metropolitan“ entwickelte gmp ein interessantes Beleuchtungskonzept: Die Innenkonturen der Waggons werden als reflektierende Fläche angestrahlt. Licht spenden zudem zusätzliche individuelle Leseleuchten. Vom Schalensitz bis zu den Vorraumzonen – die Deutschen Werkstätten Hellerau garantierten eine abgestimmte Furnierstruktur im gesamten Innenraum. Mit großer Sorgfalt wurden deshalb die Furnierdecks aus Schweizer Birnbaum zusammengestellt. Eine Speziallackierung, extra für den „Metropolitan“ gemeinsam mit einem Lackhersteller entwickelt, sorgt für die Kratzfestigkeit der Oberflächen.
Stabilität, Strapazierfähigkeit und Brandschutz – aufgrund der Anforderungen durch den Bahnbetrieb war die Hürde für natürliche Werkstoffe recht hoch. Dennoch gelang es den Mitarbeitern der Deutschen Werkstätten Hellerau, die Entwürfe von gmp und die Materialvorgaben der Architekten umzusetzen. Der „Metropolitan“ ist der rollende Beweis für die Bahntauglichkeit von Holzwerkstoffen in Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen.

Text: Anke Müller
Foto: PR