Spieltrieb an der Massivholzplatte

Horus Capital, Museolobby, Moskau

Leistungen Deutsche Werkstätten:
Innenausbau, Fertigung lose Möbel

Fertigstellung 2008

Fotos

Ziemlich genau hundert Jahre ist es her, dass Konstantin Sergejewitsch Stanislawski einen stattlichen Backsteinbau nahe der Moskauer Innenstadt errichten ließ, um dort elektrische Kabel, Garne und Goldfaden herstellen zu lassen. Stanislawski war jedoch nicht nur Unternehmer, sondern wirkte auch als  Schauspieler und Regisseur. Diesen beiden Tätigkeiten ging er  bis in die 1930er Jahre nach. Seine Fabrik hingegen musste er nach der Oktoberrevolution 1917 schließen.

Der Lebensgeschichte Stanislawskis sowie der Historie des Gebäudes fühlt sich der heutige Inhaber Horus Capital verpflichtet. Horus Capital ist ein Immobilienfinanzierer und -entwickler für Gewerbeflächen, der vor allem in der russischen Hauptstadt aktiv ist und sein Headquarters in der umgebauten Stanislawski-Fabrik bezogen hat. Erklärtes Ziel von Horus ist es, Immobilien so zu entwickeln, dass die gewerbliche Nutzfläche mit kulturell bzw. historisch aufgeladener öffentlicher Fläche verbunden und dem jeweiligen Gebäude somit ein Mehrwert verliehen wird.

Dieser Maxime entspricht die Museolobby in der Stanislawski-Fabrik. Zum einen entsteht im Gebäudekomplex zurzeit ein Theater. Zum anderen wird in der Mitte der Lobby zukünftig ein kleines, aber feines Museum über die industrielle Historie des Gebäudes Auskunft geben. Die an das Museum angrenzende Fläche ist ein in loungiger Atmosphäre vom britischen Designbüro Casson Mann entworfenes zweigeschossiges Cateringareal. Für dieses Areal haben wir 13 Kaffeetische sowie Sofas angefertigt, die in zwei Reihen hintereinander angeordnet sind.

Die Kaffeetische sind aus neun Zentimeter dicken Hirnholzplatten aus geräucherter Akazie gefertigt. Durch die senkrechte Verleimung einzelner Leisten Hirnholz entsteht eine sehr markante Oberfläche in Domino-Optik. Die Form der Kaffeetische ist amorph. Getragen werden sie von einem mäanderförmigen Edelstahlgestell sowie einem zusätzlichen Edelstahlbein. Die Edelstahlkonstruktion setzt sich über einen Spalt in der Holzplatte zu einer kleineren Edelstahlplatte fort, die 15 Zentimeter über der eigentlichen Tischplatte zum Abstellen von Speisen und Getränken dient und beweglich ist. Der Kaffeetisch arbeitet also mit zwei Ebenen und fordert den Spieltrieb des an ihm Sitzenden heraus. Die Tischplatten sind an der Unterseite mit elektrischen Anschlüssen für Laptops versehen.

Die schwarzen Lesersofas aus weichem Rindsleder laden zu einer ausgedehnten Mittagspause ein. Jedes Lederfeld wurde separat zugeschnitten und doppelt miteinander vernäht. Durch diese doppelten Steppnähte sowie die 2.400 lederbezogenen Knöpfe im Kreuzungspunkt erhalten die stilvollen Sofas ihren dem ‚Barcelona Chair’ von Mies van der Rohe angelehnten Look. Die Sitzflächen der Sofas führen im Gegensatz zur Rückenlehne nicht bis an die mit Akustikstoff bezogenen und mit Leuchten versehenen schmalen Trennwände heran. Die dadurch gewonnenen Ablageflächen bestehen - analog zu den Tischplatten - aus geräucherter Akazie.

Text: Deutsche Werkstätten
Foto: Frank Herfort