Von der Leichtigkeit des Scheins

GAP 15

Fertigstellung 2006

Fotos

Eine Innenarchitektur der Geradlinigkeit und der technischen Raffinessen begegnet dem Besucher des Düsseldorfer Bürohochhauses GAP 15, einer Arbeit für Ernst & Young, wobei die Entwurfsverfasser als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen sind. Es ist etwas für die Liebhaber der geschlossenen Formen, klaren Linien und feinen Oberflächen. Was man nicht auf den ersten Blick sieht: In jedem einzelnen Möbel steckt eine gehörige Portion Ingenieurwissen. Im Vorfeld wurden vier namhafte Hersteller zur Fertigung von Mustertischen aufgefordert. Wir bekamen den Auftrag. Das sagt sich leicht, ist aber das Ergebnis aufwändiger Vorarbeiten. Es waren weder Alternativvorschläge noch Billigvarianten gewünscht. Also nahmen wir die Entwürfe wörtlich. Im Vorfeld entstanden Handmuster der Oberfläche, die wie in einem Belastungstest verschiedenen Versuchen unterzogen wurde. Ist die Oberfläche kratzfest? Hinterlässt verschütteter Kaffe Spuren? So etwas sollte selbstverständlich sein für ein Möbel, sagen Sie. Das ist es auch, wenn die Oberfläche glatt und hart ist. Wenn die Lackierung aber stumpf und matt sein soll mit einer Haptik wie Samt, stellt sich die Sache schon ganz anders dar. Dann wird die Oberflächenbearbeitung kompliziert und langwierig. All dies musste bei der Herstellung des Mustertisches Beachtung finden. Ihn gibt es nun in den verschiedensten Varianten: quadratisch, elliptisch, für vier bis 20 Personen. Ein einzelner Tisch ist sogar als Leichtbaumöbel konstruiert. Er ist vom Laien zerlegbar, jeder kann ihn handhaben. Ein Kinderspiel, diesen Tisch von einer Etage in die andere zu transportieren, obwohl er die gleiche Medientechnik wie seine Geschwister verbirgt. Auf die mit Aluminium beplankte Empfangstheke im Konferenzbereich sind wir besonders stolz. RKW haben hier eine beeindruckende Idee in einen schönen Entwurf überführt. Die geschlossene geometrische Grundform der Theke nimmt die Umrisse des Treppenauges auf. So homogen die Form auch wirkt- was sich nicht alles in diesem Korpus versteckt! Die Funktionseinheiten sind integriert, vom technischen Feature bis zum Sitzelement.
Ähnlich elegant ist die Loungetheke. Ein Glasfuß hält die lang auskragende Platte. Das Glas steckt unten in einem Bodenprofil und ist oben in einen Stahlrahmen an der Plattenunterseite gespannt. Kein Element stört die Durchsichtigkeit der Stütze. Die Platte scheint zu schweben.
Was so leicht und elegant aussieht im GAP 15 ist es keinesfalls. Hinter der schönen Oberfläche versteckt sich eine technische Ausführung, die den Möbeln noch eine weitere Dimension erschließt. Sie sind noch weit mehr als sie scheinen.

Text: Deutsche Werkstätten
Foto: Tomas Riehle