Druck- und Medienzentrum des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsdruckverlages, Büdelsdorf

Innenausbau: Konstruktion und Montage

Fertigstellung 2002

Fotos

Die Aufgabe der Deutschen Werkstätten Hellerau war es, eine sogenannte Medienwand zu konstruieren, zu fertigen und zu montieren. Der Begriff „Medienwand“ verband sich mit der Vorstellung, die verschiedenartigsten Medien bis hin zu Touchscreens in die Wand zu integrieren. So wurde ein Weg gefunden, die Arbeit des Druck- und Medienzentrums öffentlich zu präsentieren. Die Wand erstreckt sich über zwei Etagen und wird im Bereich der Treppenhäuser auch über beide Etagen sichtbar. Da sich die gesamte Gestaltung auf das dreidimensionale Achsensystem des Gebäudes bezieht, musste sich jede einzelne Fuge in der Medienwand daran orientieren. Nur so war die optische Geschlossenheit der einheitlichen architektonischen Wirkung zu erzielen. Dies wiederum verlangte nach einer extremen Maßgenauigkeit, die in der Praxis besondere Forderungen an uns stellte. Vordergründig betrachtet sollte eine Rasterung oder ein Aufbau in Modulen die Arbeit erleichtern. Da aber den einzelnen Gewerken, etwa dem Trockenbau, unterschiedliche Toleranzen zugestanden werden, kann es in der Summe zu erheblichen Abweichungen kommen. Derartige Differenzen müssen durch das letzte Gewerk, in diesem Fall den Innenausbauer Deutsche Werkstätten Hellerau, ausgeglichen werden. Erschwerend für uns war, dass es hier nicht um das klassische DWH-Material Holz ging, sondern um das spröde Aluminium. Der Ausgleich von Maßdifferenzen war nicht über eine Veränderung der Fugenbreite zu erreichen; Fugenbreiten dieser Größenordnung (hier: 5 mm) lassen selbst ein Abweichen von einem Millimeter nicht zu, ohne die Harmonie des Fugenbildes zu gefährden. Der einzige Weg war der Verzicht auf einheitliche Plattengrößen. Die Zulieferer der Aluminiumplatten mussten deshalb zu besonderer Maßhaltigkeit und Winkelgenauigkeit verpflichtet werden. Die DWH- Monteure passten die Länge der Platten an die vorgegebenen Achsen an. Das war viel logistischer und handwerklicher Mehraufwand, der sich aber gelohnt hat. Die minimalen Differenzen in den Plattengrößen sind optisch nicht erkennbar, das einheitliche Fugenbild passt sich den Gebäudevorgaben vorzüglich an. Das zeigt sich in den offenen Treppenhäusern und den langgestreckten Fluren. Hinter den geschlossenen Strukturen der Wand verbergen sich unterschiedlichste Funktionseinheiten. Türen, Stauraum und Medientechnik sind in den Gesamtraster der Aluminiumplatten eingepasst und treten in geschlossenem Zustand nicht in Erscheinung. Insgesamt wurden 5,8 Tonnen Aluminium verarbeitet. Dabei traten ungewöhnliche Probleme auf. So hätten die 1 x 2,20 Meter großen Türen bei konventioneller Bauweise 48 Kilogramm gewogen, eine Masse, die nur sichtbare Tragbänder oder herkömmliche Türangeln hätten halten können. Die Konstrukteure lösten das Problem durch Verringerung des Türgewichtes, wobei sie eine Sandwich-Konstruktion für das Tragwerk der Türplatten wählten und auf der nicht sichtbaren Seite der Platten Taschen einfrästen. Dieses Projekt war ein weiterer wegweisender Schritt hin zu einem materialübergreifenden Innenausbau, der seine Aufgabe in der entwurfsgetreuen Umsetzung von Architektenvorgaben sieht und alle ingenieurtechnischen Möglichkeiten dafür nutzt.

Text: Rainer Baginski
Foto: Bernadette Grimmenstein