„Ich kann diese Ansage nicht mehr hören.“

Chalet, Schweiz

Leistungen Deutsche Werkstätten:
Innenausbau, Projektmanagement 

Fertigstellung 2013

Fotos

Eine Besonderheit der Deutschen Werkstätten ist, dass wir bei fast jeder Vertragsunterzeichnung wissen, uns im nun startenden Projekt mit Aufgaben auseinandersetzen zu müssen, mit denen wir zuvor noch nicht konfrontiert waren. Was anderen den kalten Angstschweiß auf die Stirn treten lässt, ist für uns Routine. Verstehen Sie uns nicht falsch: Manchmal wäre es sehr angenehm, wenn wir auch zu Beginn eines Projektes schon wüssten, wie wir zum Ziel kommen. Auf der anderen Seite lernt man unglaublich viel, wenn man sich immer wieder neu einlassen muss. Und ist stolz, wenn man die Herausforderung meistert.
Bei unserem ersten Projekt in der Schweiz haben wir beispielsweise gelernt, was es bedeutet, für die Wintermonate eine Baustelle auf einer Höhe von etwa 2000 Metern anzulegen, die zudem an einer schmalen Straße ohne Parkmöglichkeiten liegt. Da zu Hochzeiten jedoch deutlich mehr als 160 Handwerker aus acht Nationen in dem Chalet im Engadin arbeiteten, war es alleine schon eine logistische Herausforderung, diese Personen jeden Morgen aus dem Ort zur Baustelle und am Abend wieder zurückzubringen. Ein ortsansässiges Taxiunternehmen, das von uns mit dieser Aufgabe beauftragt war, freute sich über ein unverhofftes Umsatzwachstum…
Da das Schaffen von Infrastruktur, wie zum Beispiel der Bau einer Containerburg oder das Einrichten einer Sicherheitsüberwachung der Baustelle, nicht unmittelbar mit dem Thema Innenausbau zusammenhängt, können Sie erahnen, dass wir in diesem Fall auch als Projektsteuerer tätig waren. Unsere Fähigkeit, große Bauvorhaben aus einer Hand anzubieten, macht uns, erst recht in einem überschaubaren Markt wie der Schweiz, speziell und hebt uns von unseren Mitbewerbern ab.
In diesem Fall hieß das neben der bereits erwähnten Anforderung der Baustelleneinrichtung, dass wir in Abstimmung mit dem renommierten französischen Designer Jaques Garcia sowie den lokalen Architekten die gesamte Ausführungsplanung und das Engineering für das fünf Stockwerke umfassende Chalet übernahmen, das zu großen Teilen "unter Tage" liegt. Ziel von Jaques Garcia war es, Innenräume zu gestalten, die eine Mischung aus Schlossatmosphäre und alpenländischem Flair ausstrahlen. Dies gelang unter anderem über die Verwendung historischer Materialien wie 200 Jahre alten Holz- und Natursteinböden oder Fassadenholz von Engadiner Scheunen. Zudem kamen Felle, schwere Stoffe und Teppiche sowie Fichte, z.B. in den massiven Türen, zum Einsatz. Zu der historischen Anmutung trugen auch 22 französische Kunstmaler bei, die in akribischer Feinarbeit Holzstrukturen, zum Beispiel im Wohnzimmer, imitierten. Insgesamt koordinierten wir 13 Gewerke - vom Trockenbau über den Kühldeckenspezialisten bis hin zum Antikspiegelhersteller. Und den Innenausbau sowie die Montage vor Ort übernahmen die Deutschen Werkstätten natürlich auch.
Schweißtreibende und viel zu kurze achteinhalb Monate hatten wir zur Verfügung, um das 160 Räume und 3.500 Quadratmeter umfassende Chalet auszubauen. Rein rechnerisch bedeutete das, alle anderthalb Tage einen Raum fertigzustellen. Bei unserem Folgeprojekt, nur einen Steinwurf entfernt, haben wir mehr Zeit, da wir bereits früh mit ins Boot geholt wurden. Für unseren Projektleiter bedeutet das, ein weiteres, monatelanges Pendeln zwischen Dresden und dem Engadin. Und die Aneignung von buddhistischer Gelassenheit - oder von Ohrenstöpseln. Denn bereits während der Ausbauphase des ersten Chalets verlor er in der gemütlichen Bahn, die sich durch die Alpen und durch 56 Tunnel schlängelt und in der ein schweizerisches Idiom zigfach darauf hinweist, dass „der Ausblick aus dem Fenster zum Verwirrspiel wird" ab und an die Geduld: "Ich kann diese Ansage nicht mehr hören."

 

Text: Deutsche Werkstätten
Foto: Anja Wippich