Ein Geschäft mit der Zeit

Boutique A. Lange & Söhne, Dresden

Leistungen Deutsche Werkstätten:
Entwurf, Planung, Projektmanagement, Innenausbau

Fertigstellung 2007

Fotos

Schon Mahatma Gandhi bemerkte: „Es gibt Wichtigeres im Leben, als es ständig zu beschleunigen.“ Und auch die kaufkräftigste Kundschaft von A. Lange & Söhne aus Glashütte muss sich mehrere Monate gedulden, bis sie den Lange Tourbograph ‘Pour le Mérite’ in Händen halten darf. Denn allein die Fertigung der 465 Einzelteile benötigt ein ganzes Arbeitsjahr. Um die Wartezeit zu verkürzen, darf der Kunde täglich für 15 Minuten an der Entstehung dieses Meisterwerks der Mechanik teilhaben. Eine Referenz an die Moderne.

Handwerkliche Tradition und technische Innovation zu verbinden, ist auch der Grundgedanke unserer Arbeit. Doch es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten. Beide Unternehmen können auf eine über hundertjährige Firmengeschichte zurückblicken, beide sind sächsischen Ursprungs, beide haben nach der Wende noch einmal neu angefangen, beide sind weltoffen und fühlen sich doch Dresden besonders verbunden. Denn es ist nicht nur die Heimat der Deutschen Werkstätten Hellerau, sondern auch die des Firmengründers Ferdinand Adolph Lange. 1815 in Dresden geboren, erlernte er hier das Uhrmacherhandwerk und blieb seiner Geburtsstadt, die Wanderjahre ausgenommen, bis zu seinem 30. Lebensjahr treu. 1845 übersiedelte er mit Unterstützung des königlich-sächsischen Innenministeriums nach Glashütte, das sich durch die Ansiedlung einer Uhrenmanufaktur neue Arbeitsplätze für das Osterzgebirge erhoffte.

Im Nachhinein erscheint es geradezu logisch, dass beide Unternehmen sich gefunden haben, um gemeinsam etwas Neues zu schaffen. In der Töpferstraße 8, im Quartier an der Frauenkirche, wollte A. Lange & Söhne nach 162 Jahren die ersten eigene Verkaufsräume einrichten. Als Reminiszenz an den Firmengründer, dessen einzigartiges Skizzenbuch eine wesentliche Rolle als Gestaltungselement spielen sollte, wurde Dresden als erster Standort ausgewählt. Shanghai und andere werden folgen.

So fein die Adresse, so klein ist der Raum. Denn 65 qm sind wahrlich nicht viel, um die Lange’sche Markenwelt und Philosophie sichtbar zumachen und gleichzeitig den Verkaufs- und VIP-Raum sowie ein Backoffice zu integrieren. Modernste Sicherheits- und Präsentationstechnik waren ein absolutes Muss, durften aber entweder gar nicht oder nur dezent sichtbar werden.

A. Lange & Söhne hat die Deutschen Werkstätten Hellerau mit der Gestaltung, Planung, Entwicklung und Ausführung dieses Projektes beauftragt. Wobei wir mit der Porzellan-Manufaktur-Meissen noch ein drittes sächsisches Traditionsunternehmen für Detailarbeiten gewinnen konnten. Kassettierte Wände in Lange-Grau, im Kontrast mit Möbeln aus dunklem, heimischen Akazienholz und Böden und Sockeln aus dem hellen Sandstein der Region sind bestimmende Gestaltungselemente. Das Projekt in die Tat umzusetzen, erforderte ebenso viel Ingenieurs- wie Handwerkskunst. Um dies zu veranschaulichen, zeigen wir in unserem Werkstättenbericht Nummer 15 nicht nur das Endprodukt, sondern auch einige Details aus dem Fertigungsprozess.

Text: Helga Falkenstein
Foto: Bernadette Grimmenstein