Bayer AG, Konzernzentrale, Leverkusen

Koordination der Werkplanung; Ausführung aller Büroschränke und Tische in den Konferenzräumen, Schrankanlagen im Konferenzfoyer, Pförtnerloge und Dolmetscherkabinen

Fertigstellung 2002

Fotos

„Der Neubau ist von einer Transparenz, die in bewusstem Gegensatz zu den steinernen Altbauten steht und die Bayer AG symbolhaft und zukunftsweisend im 21. Jahrhundert repräsentiert. Das Gebäude wirkt selbstverständlich, ohne Ausdruck von großindustrieller Macht, ohne falsche Bescheidenheit. Es ist kein Gebäude des Zurückblickens, sondern ein Gebäude, das die Möglichkeiten der Gegenwart intelligent und verantwortungsbewusst für die Zukunft anwendet.“ Soweit der Architekt Helmut Jahn anlässlich der Grundsteinlegung zum Bau der von ihm entworfenen neuen Konzernzentrale der Bayer AG in Leverkusen. Was Jahn zur Transparenz des Gebäudes sagt, ist wörtlich gemeint, denn er hat es an den Rand des Carl-Duisberg-Parkes gebaut, so dass es erst durch die optische Durchdringung von Drinnen und Draußen, von Architektur und Park, seine ganze Kraft gewinnt. Für die Deutschen Werkstätten Hellerau war der Auftrag, einen Teil des Innenausbaus zu übernehmen, nicht zuletzt deshalb besonders interessant, weil Holz, einst der Werkstoff schlechthin für Hellerau, darin nur an wenigen Stellen vorkommt; der Entwurf von Jahn ist ein nahezu ausschließlicher Stahl-Glas-Bau. Die DWH übernahmen die Koordination der Werkplanung sowie die Ausführung aller Büroschränke und Tische der Konferenzräume, Schrankanlagen im Konferenzfoyer, der Pförtnerloge und der Dolmetscherkabinen. Im Konferenzraum finden sich viele konstruktive Details, die Beachtung verdienen, so manches technische Raffinement. Das Vortragspult neben der Leinwand etwa ist in Stahl und Glas gehalten; man kann es elektrisch stufenlos verstellen, es handelt sich um ein spezielles Projektmöbel mit extra entworfener Pultleselampe. Was auf der großen Leinwand zu sehen ist, wird kurz vorher auf ein Laptop im Pult projiziert, so dass der Redner sich innerlich immer schon auf das nächste Bild einstellen kann. Alle Konferenzräume des Vorstandes sind mit Tischen aus Edelstahl und Glas ausgestattet. In diese Tische war komplizierteste Medientechnik unsichtbar zu integrieren. Der große Konferenztisch ist zudem als ein U gehalten, bei dem der umlaufende Tisch aber einhüftig gestaltet ist, also nur auf einer Seite Stützen hat. Die dadurch entstandenen statischen Probleme wurden gelöst, indem die Tischfüße in Holzplatten verankert wurden, die flächenbündig in den Doppelboden eingelassen sind, ohne die dort eingearbeitete Technik zu stören. Bemerkenswert, weil vollständig in das architektonische Gesamtbild einbezogen, ist die von den Gestaltern der Deutschen Werkstätten Hellerau entworfene Uhr, die sich in ihrer Größe und Formensprache an den Lautsprechern im großen Konferenzraum orientiert – ein ästhetisch ausgesprochen überzeugendes Detail. Die Vielzahl und Intelligenz technischer Lösungen und deren lückenlose Einfügung in eine offene Architektur, die Suche nach dem jeweils besten Weg, und zwar vor Ort, dazu die Koordinierung aller Arbeiten – das alles summierte sich zu einem besonders anspruchsvollen Projektmanagement. Die Ergebnisse der DWH-Arbeit sind deshalb so interessant, weil die in die Einbauten und Möbel eingearbeiteten technischen Funktionen nicht zutage treten. Eine Leistung, die in solch einem transparenten Stahl-Glas-Bau um so höher zu bewerten ist.

Text: Rainer Baginski
Foto: Bernadette Grimmenstein