AXA Versicherung AG, Wohn- und Bürogebäude, Frankfurt/Main

Konstruktion, Fertigung und Montage Bibliothek, Empfangsbereich und Archivmöbel

Fertigstellung 2003

Fotos

Zumindest bei den Immobilien habe die Stadt Frankfurt noch ihre Visionen, schrieb etwas spöttisch die FAZ. Der Anlass: Jo. Franzke hat für den Versicherungskonzern AXA ein Haus gebaut, das 4° von der Senkrechten abweicht. Der Neigungswinkel des Gebäudes ist halb so groß wie beim Schiefen Turm von Pisa. Immerhin: Das Haus ist 46 Meter hoch; es ragt an der Spitze vier Meter aus dem Lot. Der Grund für diese in Deutschland einmalige architektonische Besonderheit: So kann der Innenhof normal belichtet werden. Es ist, so Franzke, „als ob sich eine Blüte öffnen würde“.
Soviel zu den äußeren Ungewöhnlichkeiten des Entwurfes von Jo. Franzke. Nun zu den Besonderheiten des Innenausbaus, und damit auch zur Arbeit der Deutschen Werkstätten. Hauptmieter des Gebäudes ist die renommierte Rechtsanwaltskanzlei White & Case. Für sie galt es, im Erdgeschoss eine umfangreiche Präsenzbibliothek zu installieren. Da in dem neuen Gebäude die ungewöhnliche Architektur wirklich erlebbar werden sollte, verboten sich Lösungen von der Stange, auch beim Material für die Bibliothek; es ist feinster Schweizer Birnbaum. Normalerweise sichern Rückwände von Regalen deren Statik. Das verbot sich hier, denn der Entwurf sah drei Meter hohe Regale vor mit Rückwänden aus Glas. Unsere Lösung: Die Rahmenkonstruktion fängt alle Lasten ab. Seiten, Unterboden und Deckenverblendungen bestimmen die Gestalt. In den Seiten verläuft die Kabelführung für die obere Beleuchtung. Zeitschriftenregal, Stehlesepulte und Schreibtisch passen sich der monolithischen Regalgestaltung an. Besonderes Detail: die speziell angefertigte Leiter mit Relinghalterungen und Buchführungsschienen in sämtlichen Fächern. Die Experten der DWH prüften etwa 25.000 Quadratmeter Furnier, bis sie sich für etwa 1000 Quadratmeter entschieden, die annähernd die gleiche Textur und Farbe aufwiesen. Übrigens fanden für den Eingangstresen die gleichen Materialien Verwendung wie in der Bibliothek: Schweizer Birnbaum und dieselbe Glasart. Und die auf Glas befestigten Edelstahlbuchstaben mit dem Namen des Hauptnutzers sind hinterleuchtet und wirken so, als schwebten sie frei.

Text: Rainer Baginski
Foto: Waltraud Krase