Auswärtiges Amt, Berlin

Innenausbau und Restaurierung von sieben Konferenzsälen

Fertigstellung 2000

Fotos

Das Auswärtige Amt ist nach Berlin zurückgekehrt. Dienstsitz wurde das „Haus am Werderschen Markt“ – ein historisch wie architektonisch außerordentlich interessantes Gebäude: 1934 bis 1940 als Erweiterungsbau der Reichsbank errichtet, beherbergte es nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst das Finanzministerium und anschließend das Zentralkomitee der SED, die Machtzentrale der DDR. Dort tagte aber auch die erstmals frei gewählte Volkskammer, die 1990 im „Haus der Parlamentarier“ dem Einigungsvertrag zustimmte. Im Laufe dieser Funktionswechsel erfolgten einige bauliche Veränderungen, eines blieb jedoch konstant: Mit dem Innenausbau wurden stets die Deutschen Werkstätten Hellerau beauftragt. Für unser Unternehmen entschied sich auch Professor Hans Kollhoff, der den letzten Umbau leitete. In einigen Bereichen wurde vorhandene Substanz nach den alten Plänen aus dem Archiv der Deutschen Werkstätten Hellerau sorgfältig restauriert. So wurde das Büro, in dem zu DDR-Zeiten Günther Mittag residierte, als Zeitdokument in seiner Gestalt belassen. Erhalten blieb auch der frühere Politbüro-Saal. Eine Etage darunter befindet sich der ehemalige Plenarsaal, jetzt Europa-Saal. Dort wurde Neues mit Altem kombiniert. Beispielsweise wurden an der Rückseite des Raumes Dolmetscherkabinen ergänzt und perfekt in die vorhandene Birnbaum-Wandvertäfelung eingefügt. Mit einer spektakulären Konstruktion hatte Reichsbankbaudirektor Heinrich Wolff einst dafür gesorgt, dass die Kassenhalle 1 der Reichshauptbank im Zentrum der repräsentativen Raumfolge durch zwei Fensterbänder in der Decke direktes Tageslicht erhielt. Kollhoff ließ die zu DDR-Zeiten zerstörte Decke detailgetreu nachbauen und fügte Wände neu ein, die von den Deutschen Werkstätten Hellerau mit einer klassisch gegliederten Holzverkleidung versehen wurden. Der sogenannte Welt-Saal dient heute dem Auswärtigen Amt als Konferenzzentrum. Der Zugang von den beiden Lounges aus erfolgt durch 14 Schallschutz-Flügeltüren, drei mal drei Meter groß und 146 Millimeter stark. Jedes Türblatt wiegt 350 Kilogramm, beide Türflügel zusammen 700 Kilogramm. Damit Zargen, Türen, Decke und Wandtäfelung hundertprozentig eine farbliche Einheit bilden, wurde das gesamte Furnier für diesen Raum aus einem einzigen Stamm Europäisch Kirschbaum geschnitten. Er war etwa 180 Jahre alt, kam aus Frankreich und brachte zwölf Kubikmeter Holz, das 6800 Quadratmeter Furnier – normal sind 1000 bis 1500 Quadratmeter. Dieser Jahrhundert-Stamm, eine ausgesprochene Rarität, wurde extra für die Deutschen Werkstätten Hellerau eingemessert. So ist es uns gelungen ein einheitliches Furnierbild zu erreichen.

Text: Anke Müller
Foto: Ivan Nemec