Architekten und Entwerfer in Hellerau

1902/03 Albinmüller
1903—1914 Baillie Scott, Mackay Hugh (1865—1945)
ab 1902 Beckerath, Willy von (1868—1938)
ab 1903 Behrens, Peter (1868—1940)
ab 1912 Bernhard, Lucian (1883—1972)
ab 1907 Bertsch, Karl (1873—1933)
1911—1915 Bestelmeyer, German (1874—1942)
um 1908 Bonatz, Paul (1876—1951)
  ab Anfang der 30er Jahre Breuhaus de Groot, Fritz August (1883—1960)
1898—1908 Cissarz, Johann Vincenz (1873—1942)
ab 1946 Ehrlich, Franz (1907-1984)
ab 1899 Endell, August (1871—1925)
ab 1908 Fischer, Theodor (1862—1938)
1933—1950 Hartl, Hans (1899—1980)
ab 1922 Hillerbrand, Josef (1892—1981)
1908—1914, 1935—1945 Hoffmann, Josef (1870—1956)
ab 1912 Högg, Emil (1867—1954)
ab 1967 Horn, Rudolf (geb. 1929)
ab 1927 Jahn, Ernst Max (1889—)
1901—1920 Junge, Margarethe (1874—1966)
etwa 1899—1914 Kleinhempel, Gertrud (1875—1948)
1899—1914 Kreis, Wilhelm (1873—1955)
1900—1910 Mackintosh, Charles Rennie (1868—1928)
ab 1904 Moser, Koloman (1868—1918)
ab 1903 Muthesius, Hermann (1861—1927)
ab 1907 Niemeyer, Adelbert (1867—1932)
1903—1908 Olbrich, Joseph Maria (1867—1908)
ab 1909 Paul, Bruno (1874—1968)
ab 1922 Poelzig, Hans (1869—1936)
ab 1902 Riemerschmid, Richard (1868—1957)
1911—1921 Salzmann, Alexander von (1870—1935)
ab 1934 Satink, Georg (1902—? )
1901—1902 Schaudt, Johann Emil (1871—1957)
in den 30er Jahren Schmitthenner, Paul (1884—1972)
ab 1925 Schneck, Adolf G. (1883—1971)
ab 1906 Schumacher, Fritz (1869—1947)
ab 1945 Selmanagic, Selman (1905—1986)
ab 1948 Stam, Mart (1899—1986)
ab 1909 Tessenow, Heinrich (1876—1950)
ab 1934 Wersin, Wolfgang von (1882—1976)

Zum Beispiel Karl SchmidtGeboren am 1. Februar 1873 in Zschopau,
gestorben am 6. November 1948 in Hellerau

Dresden hat einige Leitfiguren der deutschen Wirtschaftsgeschichte hervorgebracht. Carl Camillo Schmidt, später nur noch Karl Schmidt genannt, gehört ohne Zweifel dazu. Er war charismatisch, idealistisch mit immer realem Hintergrund, bodenständig im besten Sinne und - welterfahren. Seiner Gegenwart begegnete er, will man den Zeitzeugen glauben, mit einer enormen gestalterischen Energie und einem unerschütterlichen Glauben an die eigenen Vorstellungen. Schaut man sich die Ergebnisse seines Lebens an, kann man nur staunen: nach seiner Tischlerlehre, den Jahren der Handwerkerwanderschaft durch Skandinavien und England, nach Zwischenstationen in kleinen und mittleren Holzunternehmen gründete er 1898 sein eigenes Unternehmen. Er stieß wegweisende technische Entwicklungen an und öffnete sich jeder Art von Arbeits- und Lebensreform. So initiierte er die Gartenstadt Hellerau. Schmidts Vorstellung von Qualität, Handwerk, Lernen, Ehrlichkeit und Tradition prägen das Unternehmen bis heute.

Zum Beispiel Richard Riemerschmid.Geboren am 20. Juni 1868 in München,
gestorben am 13. April 1957 in München.

Karl Schmidt an Richard Riemerschmid in einem Brief vom 24.2.1910: „Außerdem finde ich, dass Du mit Möbeln mehr verdienen kannst als mit Architektur... Kein Architekt, kein Künstler in Deutschland verkauft wie Du für eine Million Mark Möbel. Die Summe ließe sich eher verdoppeln, kein anderes deutsches Möbel steht in so vielen Häusern...“
Derartige Worte gestatten einen Blick auf die wirklich ungewöhnliche Schaffenskraft des Adressaten, auch auf seine Bedeutung für die Deutschen Werkstätten Hellerau. Er galt von 1902 bis 1914 als der produktivste Gestalter des Unternehmens. Dabei schuf er in enger Zusammenarbeit mit Schmidt die Gesamtkonzeption der Gartenstadt Hellerau und die Pläne für den Fabrikneubau. Ab 1939 leitete er die Fabrikerweiterung und die Modernisierung der Innenausbauten im Verwaltungsgebäude.
Außer Möbeln und Innenräumen entwarf er in Hellerau Stoffe, Tapeten, Zinngegenstände, Lampen, Kleingerät und seit 1920 auch Holzhäuser.

Zum Beispiel Mackay Hughes Baillie Scott und Charles Rennie MackintoshBaillie Scott: Geboren 1865 auf der Isle of Man.
Gestorben am 10. Februar 1945 in London.
Mackintosh: Geboren am 7. Januar 1868 in Glasgow.
Gestorben am 10. Dezember 1928 in London.

Zu beiden Entwerfern von den britischen Inseln traten die Deutschen Werkstätten schon recht früh in Kontakt. War Mackintosh mindestens bis 1910 Mitarbeiter des Unternehmens, so dauerte die Zusammenarbeit mit Baillie Scott noch wesentlich länger. Beide waren an der Werkstättenausstellung 1903/04 in Dresden beteiligt, Baillie Scott entwarf 1910 sogar ein kleines Holzhaus für die Siedlung Hellerau.
Von beiden Künstlern sind hervorragende Arbeiten aus der Fertigung der Deutschen Werkstätten Hellerau nachweisbar, die allesamt in die erste, die „Jugendstil-Phase“, der Deutschen Werkstätten einzuordnen sind. Sie bewegen sich damit im gleichen künstlerischen Umfeld wie Josef Hoffmann oder Joseph Maria Olbrich, die ebenfalls als Mitarbeiter der Deutschen Werkstätten Hellerau tätig waren.

Zum Beispiel Bruno Paul.Geboren am 19. Januar 1874 in Seifhennersdorf /Lausitz.
Gestorben am 17. August 1968 in Berlin.

Bruno Paul trat in diesem Umfeld zum ersten Mal hervor, als er 1898 die „Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk“ in München mitbegründete, die 1907 mit den „Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst Karl Schmidt“ fusionierten. 1909 begann eine Jahrzehnte dauernde, fruchtbare Zusammenarbeit mit den Deutschen Werkstätten Hellerau. Neben Karl Bertsch war Bruno Paul in den zwanziger Jahren der exponierteste Gestalter des Unternehmens, qualitativ wie quantitativ.
Die Spannweite der Arbeiten von Paul reicht von der Entwicklung der höchst erfolgreichen Serienmöbel „Die wachsende Wohnung“ über exklusive Raumausstattungen bis hin zum Schiffsinnenausbau und zu Beleuchtungskörpern. Er entwickelte ein Holz-Plattenhaus für die Deutschen Werkstätten, das 1925 erstmals gezeigt wurde. Seine Typenmöbel der „Wachsenden Wohnung“ waren so erfolgreich, dass sie auch in der DDR noch bis 1956 gebaut wurden.

Zum Beispiel: die Gegenwart.Die Gegenwart ist für die Deutschen Werkstätten ein unendliches Feld des Sehens, Begreifens, Lernens und Bewältigens. Auf diesem Feld sind gute Partner besonders wichtig. Nur mit ihnen können neue Wege erfolgreich beschritten werden. Wir haben das Glück, an der Seite von Architekten und Innenarchitekten zu arbeiten, die in Deutschland und Europa Zeichen gesetzt haben. Und mittlerweile, immerhin liegt der Neubeginn der Deutschen Werkstätten auch schon wieder zwei Jahrzehnte hinter uns, sind die meisten von ihnen auch ganz glücklich, dass wir uns auf ihre Augenhöhe entwickelt haben und zu wahren Partnern geworden sind.