Man muss nur genau hinsehen.Detail und Ganzes: Nur wer genau hinsieht, kann die Qualität einer Sache erkennen- denn Qualität beweist sich im Detail.
Seit mehr als 100 Jahren pflegen die Deutschen Werkstätten Hellerau einen schon zu den Zeiten ihrer Gründung nahezu altmodischen Qualitätsbegriff. Da sich die Qualität immer im Detail beweist, gab es für das Unternehmen keine Nebensachen. Alles war- und ist- prinzipiell gleich wichtig. Der große Gesamtentwurf und das scheinbar Kleine verdienen die gleiche Sorgfalt in der Behandlung. Und immer war das Unternehmen bemüht, die Werkstoffe, mit denen es arbeitete, besser zu verstehen als andere, über die Werkstoffe zu überragenden Detaillösungen zu kommen. Ist solch ein Denken noch zeitgemäß? Wir glauben: Ja.

Lügen gilt nicht.Qualität und Preis: Qualität hat ihren Preis. Zumindest, wenn man etwas wirklich Gutes schaffen will. Das war auch zu Zeiten Karl Schmidts schon so.
Qualität und Preis: „Wir wollen einerseits reiche und vornehme Zimmereinrichtungen nur modernen Stils, andererseits aber auch Zimmereinrichtungen, Möbel und Schmuckstücke für das Haus des Mittelstandes schaffen, die nicht auf den hohlen Schein berechnet sind und nicht das Reiche und Prächtige mit unzulänglichen Mitteln in unsolider Weise nachahmen. Vielmehr soll das, was wir für den Mittelstand bieten, durchweg tauglich und dauerhaft in der Herstellung sein, dabei aber doch künstlerischen Reiz haben und im Preise sich nicht unerschwinglich hoch stellen.“ (Aus einer Informationsschrift der Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst, 1899)

Der Künstler für alle Fälle.Kunst, Handwerk und Industrie: In den Deutschen Werkstätten Hellerau befand sich für einige Jahre die Geschäftsstelle des Deutschen Werkbundes. Das Unternehmen gehört zu den Gründungsmitgliedern dieser wichtigen Institution.
„Statt des falschen Ehrgeizes, dem Kunden gegenüber die Illusion aufrecht zu erhalten, dass die geistigen Werte der Produktion, das heißt die Entwürfe, aus dem Herzen und Magen der Firma heraus und nicht etwa aus dem Kopf eines Künstlers kämen, sollten kunstgewerbliche Firmen ihren Stolz darein setzen, die beste deutsche Intelligenz heranzuziehen und ihr die Hand zur wirtschaftlichen Fruchtbarmachung zu bieten … Die besten geistigen Kräfte sollten mit den besten wirtschaftlichen Kräften verbunden werden, das heißt, die besten künstlerischen Entwürfe sollten in der gediegensten Weise ausgeführt werden.“ (Karl Schmidt, Gründer der Deutschen Werkstätten, 1906)

Nachhaltig arbeiten.Ökologie und Werthaltigkeit: Scheinbar handelt es sich um moderne Schlagworte. Aber Karl Schmidt erkannte ihre Bedeutung schon Anfang des 20. Jahrhunderts.
„Es ist merkwürdig, wie schwer die einfache Tatsache begriffen wird, dass das Rohmaterial – und mit ihm natürlich auch der daraus hergestellte Gegenstand – am billigsten bleibt, wenn es gut und gewissenhaft verarbeitet wird. Wenn wir Holz zu Schundmöbeln verarbeiten..., versündigen wir uns an einem Naturprodukt. Verbrauchen wir so viel Material als die Erde jährlich wachsen lässt, so werden wir für die Materialien einen mäßigen Normalpreis haben; können wir weniger verarbeiten, so würde durch starkes Angebot der Preis sinken; verbrauchen wir mehr, so steigt der Preis im Verhältnis des Mehrverbrauches. Nicht allein, dass wir damit die Güter verteuern, sondern wir leben auch auf Kosten unserer Kinder und Enkel. Es ist eine Sünde und Schande, so zu verfahren.“ (Karl Schmidt, 1912)

Ehre wem Ehre gebührt.Werkstoffe und Materialverständnis: Was könnte für uns eine größere Rolle spielen als der virtuose Umgang mit den Materialien – ob es nun Holz ist, Glas, Stein oder Kunststoff ...
„Die Werkstoffe übertreffen an erzieherischen Gaben die besten Lehrer, sie sind immer da, unermüdlich, und leiten mit gleichmäßiger Geduld die Hand beim Herausholen der Form und der Formen. Sie irren niemals - keinem anderen Lehrer gelingt das, und die Irrtümer des Lehrers sind immer gefährlich -, sie drängen nie dem Schüler auf, was seiner Eigenart nicht gemäß ist, sie gehen nie zu rasch vorwärts; es ist die Natur selber, die aus dem Werkstoff heraus mitlehrend wirkt. Sie erspart nicht nur dem Lehrer viele Worte, sie spricht auch in ganz anderem Maß überzeugend und klar.“ (Richard Riemerschmid, Entwerfer der Deutschen Werkstätten)

Ambition und Pragmatismus.Herkunft und Ziele: Oft gibt es auf scheinbar schwierige Fragen einfache und kluge Antworten. Man muss sie nur finden. Karl Schmidt hatte dafür die richtige Hand und das richtige Durchsetzungsvermögen.
Schmidt, Gründer auch von Hellerau, geriet als junger Mensch in eine Zeit des Umbruchs. Er erlebte das in seiner eigenen Tischlerausbildung, die ihn nach Dänemark, Schweden und England brachte. Gerade in England konnte er miterleben, wie sich die Fertigungsprozesse mehr und mehr industrialisierten. Das galt auch für das Kunsthandwerk. Die massenhafte maschinelle Produktion der dekorativen Zierrate führte schnell zu einer Verflachung und Verkitschung der kunstgewerblichen Gegenstände. Schmidt lernte später die schlichten, funktionalen Arbeiten von Henry van de Velde kennen, er machte sich mit den Gedanken Alfred Lichtwarks vertraut. Erstmals sah er, dass sich eine regelrechte Bewegung organisierte, die auf der Suche nach einer neuen zeitgemäßen Form war. Hier fand er mit seinen Ambitionen eine Heimat und er wollte sie verwirklichen.

Die Versöhnung von Handwerk und Technik.Wie war es 1906 möglich, ein gestalterisch ansprechendes und dennoch qualitativ hochwertiges, aber vor allem preiswertiges Möbel zu machen? Durch ein revolutionär neues Design und die maschinelle Herstellung.
Seit 1902 arbeitete der Unternehmer Karl Schmidt mit dem Architekten und Maler Richard Riemerschmid zusammen. Beide standen dem Handwerk nahe. Beide waren sich zugleich bewusst, dass der Maschine die Zukunft gehöre. Nur auf dem Wege der Massenproduktion schien es ihnen möglich, gute Formen in bezahlbare Produkte umzusetzen. Schmidt und Riemerschmid verstanden dies als große Chance. Handwerk und Industrie, so ihre Vorstellung, mussten vereint werden. Deshalb machten sie den Bereich Maschinenarbeit zu einer Säule der Fertigung. Riemerschmid entwickelte eine Formenwelt, die den Möglichkeiten der Maschinen entsprach. Dieser „Möbelstil aus dem Geist der Maschine“ schlug sich nieder im Maschinenmöbelprogramm von 1905/06. Auf diese Weise entstanden die ersten in Großserie maschinell hergestellten Einrichtungsgegenstände in Deutschland, die zunächst als „Dresdner Hausgerät“ preislich gestaffelt in den Handel kamen.

Neues Wohnen, neue Möbel.Wohnbedürfnisse ändern sich, das Wohnen wechselt sein Gesicht, Architektur ist dem Wandel unterworfen. Auf all dies müssen die Möbel antworten. In Hellerau half man ihnen dabei.
Mitte der 20er Jahre erkannte man auch in Deutschland, dass Rationalisierung und Massenproduktion unausweichlich waren. Für die Deutschen Werkstätten war das nichts Überraschendes. Aufbauend auf den Typenmöbel-Programmen „Dresdner Hausgerät“ und „Deutsches Hausgerät“ entstanden Möbelprogramme, die für Deutschland wegweisend werden sollten. So entwickelte Bruno Paul ab 1930 die „Wachsende Wohnung“, ein erstes komplettes Möbelprogramm, das eine schrittweise Zimmereinrichtung ermöglichte. Ein bekanntes, in der DDR produziertes Einzelmöbel war Mitte der 1950er Jahre der Stuhl „Modell 602“ von Franz Ehrlich. Nicht weniger populär das 1967 herausgebrachte Gruppenmöbel MDW (Montagemöbel der Deutschen Werkstätten, Entwurfskollektiv Rudolf Horn).

Experimente mit Holz.Tischlerplatte und Sperrholz: wer kennt diese Dinge nicht. Beide technologische Neuerungen stammen aus Hellerau und hatten weitreichende Folgen für die Möbelherstellung.
Die Suche nach neuen Formen führte auch schon früh zur Suche nach neuen Techniken. Um große, glatte Möbelteile herstellen zu können wurde in den Deutschen Werkstätten in jahrelangen Experimenten zunächst die Sperrholzplatte und später die abgesperrte Tischlerplatte weiterentwickelt. Beide Entwicklungen gaben der holzverarbeitenden Industrie wesentliche Impulse. Zudem ließ Karl Schmidt sich für Deutschland das per Hand oder maschinell aufgebrachte Furnieren von massiven Hölzern für die Möbelherstellung patentieren. Die Materialverknappung während des Zweiten Weltkrieges führte zum „vergüteten Holz“. Dabei wurden minderwertige Furniere unter Verwendung eines dünnen Phenolharzfilmes zu leichteren, formhaltigeren und für Feuchtigkeit weniger anfälligen Platten verpresst.

Neuanfang, Neuausrichtung, neue Ambitionen.Entwicklungen nach 1992: Nach der Wende wurde auch in Hellerau vieles anders. Die Deutschen Werkstätten Hellerau wurden privatisiert. Damit änderte sich mehr als nur die Gesellschaftsform.
Als erstes verzichtete man mit der Privatisierung 1992 auf die serielle Herstellung von Möbeln. Dieses Marktsegment versprach keine gesicherte Zukunft. Stattdessen machte der neue und auch noch heutige Inhaber Fritz Straub den Bereich „Sonderfertigung“ zum Ausgangspunkt für die Neuorientierung des Unternehmens. Dieser war innerhalb des „VEB Deutsche Werkstätten Hellerau“ eine besondere Abteilung gewesen, die Erfahrungen im Innenausbau von anspruchsvollen Bauprojekten gesammelt hatte. Schon seit den Gründungsjahren hatten die Hellerauer mehr und mehr feinen Innenausbau betrieben und dabei eine Fülle von Spezialwissen gesammelt. So konnte aus einem Schreinerbetrieb ein hochkarätiges Ingenieur- und Handwerkerunternehmen werden, das heute ein breites Arbeitsspektrum abdeckt.