02.05.2016

Damals wie heute!
Schiffsinnenausbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die Deutschen Werkstätten sind immer wieder für eine Überraschung gut: Vor kurzem erhielten wir eine Anfrage vom Victoria & Albert Museum in London, wo derzeit eine Ausstellung zum Design der großen Luxusschiffe im frühen 20. Jahrhunderts vorbereitet wird. Wir wussten zwar, dass die Deutschen Werkstätten damals am Ausbau einiger Passagierdampfer mitgewirkt haben, den Umfang und die außerordentliche Qualität der Projekte haben wir bisher aber unterschätzt, wie sich beim näheren Studium der einschlägigen Literatur und diverser historischen Zeitschriften nun zeigte.

Die ersten Aufträge im Schiffsinnenausbau wurden 1902/03 durch den Firmengründer, Karl Schmidt, höchstpersönlich in Kiel akquiriert. In den Folgejahren bauten die Deutschen Werkstätten für die Marinebehörde die Offiziersmessen und Kommandoräume von mehreren Kriegsschiffen aus, unter anderem beim Panzerkreuzer "Prinz Adalbert" sowie bei den Kreuzern "Berlin" und "Danzig". Die Entwürfe lieferte Richard Riemerschmid.

1907 folgte der nicht nur opulente, sondern teilweise auch sehr moderne Innenausbau des Doppelschrauben-Schnelldampfers "Kronprinzessin Cecilie", welcher in der Öffentlichkeit und auch in der Fachpresse große Beachtung fand. Die Entwürfe stammten unter anderen von Bruno Paul, Joseph Maria Olbrich und Richard Riemerschmid.

Vermittelt durch Hermann Muthesius begannen die Deutschen Werkstätten bald darauf mehrere große Passagierschiffe für die Hapag (Hamburg-Amerika-Linie) auszubauen, wobei die Zusammenarbeit durch den Ersten Weltkrieg zwischenzeitlich unterbrochen wurde. Auf "Johann Heinrich Burchard" (1914) folgten "Deutschland" (1924), "Hamburg" (1926), "New York" (1927) und Cordillera" (1933). Viele der Entwürfe kamen von Karl Bertsch, Adelbert Niemeyer und Richard Riemerschmid.

Auch für den Norddeutschen Lloyd waren die Deutschen Werkstätten tätig, so z.B. beim Luxusliner "Bremen" (1929). Die Entwürfe stammten von Fritz August Breuhaus de Groot und Bruno Paul. Die Deutschen Werkstätten waren außerdem federführend beim technisch anspruchsvollen Innenausbau des Ostindiendampfers "Boissevain" (1938). Die Entwürfe lieferte auch hier Bruno Paul.

Verschiedene Dokumente legen darüber hinaus nahe, dass es weitere Beteiligungen an großen Transatlantikschiffen gab. Die Deutschen Werkstätten wirkten zudem auch beim Ausbau mehrerer Dampfer für die zivile Binnenschifffahrt mit.

In unserem historischen Firmenarchiv, das seit 1999 im Sächsischen Hauptstaatsarchiv lagert, haben wir zahlreiche hervorragend erhaltene und mitunter wunderschöne Pläne und Entwürfe gefunden, die den damaligen Schiffsausbau eindrucksvoll belegen. Viele der Zeichnungen wurden von den oben genannten Designern eigenhändig angefertigt.

Einige Fragen sind dennoch unbeantwortet geblieben. Bei den Nachforschungen sind uns außerdem weitere spannende Themen aus der Vergangenheit begegnet. Kurzum: Wir bleiben dran und freuen uns auf weitere Überraschungen.