20.11.2016

Am Anfang war das Holz

Obwohl in unserer Arbeit viele Materialien Verwendung finden, ist Holz noch immer unsere Ausgangsbasis. Das zeigt sich auch in der in der Zusammenarbeit mit der Dresdner Künstlerin Birgit Schuh und Prof. Dr.-Ing. Haller der TU Dresden, initiiert durch das Dresdner Zentrum der Wissenschaft und Kunst e.V. in Person von Sabine Zimmermann-Törne.

Bereitgestellt hat das verwendete Lindenholz das Institut für Stahl- und Holzbau der TU Dresden. Hier wurden Kanteln mit einem Querschnitt von etwa 85x85mm Durchmesser unter hohem bidirektionalem Druck und Wärmeeinwirkung auf 60 Prozent verdichtet. So verändert erlauben Abschnitte eine wesentlich größere Biegefähigkeit als im Vergleich zu unkomprimiertem Holz. Diese modifizierte Eigenschaft findet z.B. bei der Herstellung von steifen und leichten Röhren, den so genannten Formholzröhren, ihre Anwendung.

Die Dresdner Künstlerin Birgit Schuh, KUWI Preisträgerin von 2014, ist mit den Eigenschaften von Formholz bereits bestens vertraut. Eines Ihrer Werke in dieser Materialkombination, „Topografie Triangulierung“ von 2014, dürfen nationale und internationale Gäste in der Wappen-Galerie der Sächsischen Staatskanzlei bewundern.

Ein neues Werk der Künstlerin unterstützten seit Anfang Juni Prof. Peer Haller (TU Dresden, Ingenieurholzbau und baukonstruktives Entwerfen) und Tobias Kandt (Deutsche Werkstätten, Produktentwicklung). Hier spielten die Materialeigenschaften des Holzes und die Möglichkeiten der Fertigung in den Deutschen Werkstätten eine zentrale Rolle. Ausgehend von der Idee einer kristallinen Urform, deren Einzelflächen in zwei Raumebenen abgewickelt sind, begann die konkrete Entwicklung mit Fragen wie z.B.: Welche Baugröße lässt sich erreichen? Wie dick können die Wandungen sein? Wie lassen sich die Faltstellen zusammenfügen?

Auf der Suche nach Antworten, Alternativen und Optionen wurde das Objekt mittels 3D-Software digital erstellt. Vom Herstellen der Einzelflächen, den CNC-gesteuerten Zuschnitten und der Verleimung bis zum Raummodell verbrachten die Bauteile drei Monate in den Deutschen Werkstätten.

Die finale Phase im Atelier von Birgit Schuh diente dann ganz allein der künstlerischen Weiterentwicklung der Form durch Markierungsspray, diverse Schnüre und kochend heiße Tusche. Mit dieser Behandlung erhielt das Objekt dann sein endgültiges und prägendes Aussehen.

Am 14.11.2016 wurde schließlich „Kristall 20, entfaltet“ im Rahmen der KUWI Preisverleihung 2016 in den Technischen Sammlungen Dresden der Öffentlichkeit präsentiert.

Wir sind der Meinung, der Einsatz aller Beteiligten hat sich im Sinne der Zusammenarbeit von Kunst, Wissenschaft und Produktion mehr als gelohnt. Das neue Objekt kann im Foyer der Technischen Sammlungen Dresden besichtigt werden.


Text: Tobias Kandt

Bilder:
Abb. 1: Birgit Schuh
Abb. 2-10: Tobias Kandt
Abb. 11: Sandra Püschel